Datingkolumne #1

Schlafen kann ich in diesem Bett heute Nacht jedenfalls nicht. Es ist alles voller Klamotten. Aber ich werde auf keinen Fall bei ihm übernachten. So etwas mache ich nicht. Okay, nicht mehr. Und schon gar nicht bei ihm. So nervös wie vor diesem Date war ich schon lange nicht mehr. Wir kennen uns nun auch schon seit über einem Monat, schreiben täglich und sehr viel. Und er weiß schon einiges über mich. Für meine Verhältnisse zumindest. Aber vielleicht muss ich ihm auch absagen, weil ich einfach nichts zum anziehen habe! Alles sieht nicht perfekt aus. Ich bin nicht perfekt. Und ich fühle mich nicht perfekt.

Aber ich möchte es für ihn sein. Ach, vermutlich mache ich mir auch einfach nur zu viele Gedanken. Ganz klassisch: Jeansminirock, schwarze Leggings, grünes Basic T-Shirt, schwarzer Lochpullover drüber und schwarze Stiefel an. Fertig. Ja, so fühle ich mich einigermaßen wohl. Der Jeansrock macht einen tollen Hintern, die Stiefel tolle Beine und das Shirt sitzt auch super. Ich fühle mich sexy. Ideale Voraussetzungen für ein erstes Date! Natürlich bin ich wiedermal viel zu früh fertig, also sitze ich nervös auf meinem Bett rum (ja, auf den Klamotten) und warte. Warte, bis es 13:15 Uhr ist und ich das Haus Richtung Bahnstation verlassen kann.

Viel zu früh stehe ich an der Haltestelle. „6 Minuten“ steht auf der Anzeigetafel. Und auch mit dieser Bahn bin ich viel zu früh. 10 Minuten später stehe ich immer noch an der gleichen Stelle. „Na toll!“ Dank meiner Obsession zur Überpünktlichkeit komme ich natürlich dennoch nicht zu spät. Die ganzen 9 Minuten in der Straßenbahn rutsche ich auf meinem Sitz hin und her, gucke dauernd aufs Handy um die Frisur nochmals zu überprüfen und hoffe inständig, dass er überhaupt kommt. Aber warum sollte er nicht, wir verstehen uns so gut und wir haben beide diesem Tag entgegengefiebert.

Mein Herz schlägt mir bis zum Hals, meine Hände schwitzen, mein Puls rast. Ich hasse erste Dates! Diese Nervosität, diese Anspannung, das Herzklopfen. „Wird er mich mögen?“ Ich gehe ganz langsam die Treppenstufen hinauf. „Wird er mich hübsch finden?“ Da steht er. Er sieht gut aus von weitem. Er trägt eine Blue-Jeans und darüber einen orange-gestreiften Pullover. Ich nähere mich langsam, um nicht über meine eigenen Füße zu stolpern. Er sieht besser aus als auf den Fotos. Mein Herz klopf noch schneller als eben, auch wenn das kaum möglich ist. Er kommt mir ein Stück entgegen. Ein schüchternes „Hi“ kommt aus seinem Mund. Wir umarmen uns ganz zaghaft und lächeln uns verlegen an. Was jetzt? Wir wissen es beide nicht richtig. Ich kann kaum glauben, dass er genauso schüchtern ist, wie ich…

Titelbild: Unsplash (Pixabay)

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