Datingkolumne #2

Ich wurde zu diesem Date gedrängt. Aber hätte ich es wirklich nicht gewollt, wäre dieses spontane Treffen auch nicht zustande gekommen. Ich wollte es. Ich bin unspontan, das war das Einzige, was mich hatte zögern lassen. Mein perfektes Date-Outfit lag zuhause, ich hatte keinen Schmuck mit. Normalerweise mache ich mir Locken, auch das ging nicht ohne Lockenstab. Zum Glück hatte ich die Kontaktlinsen dabei, sonst hätte ich dieses Date vehement verhindert.

Die Klamotten-Auswahl war dürftig. Ich hatte nur die schwarze Jeans (zum Glück meine momentane Lieblingsjeans) und den weiß-gepunkteten Pullover zur Verfügung. Eigentlich war das ja zu warm. Aber was sollte ich machen, ich hatte kein passendes T-Shirt dabei. Vollgepackt mit zwei Jacken und einem fast überquellenden Koffer machte ich mich auf den Weg zum Bahnhof. Es war mehr als unpraktisch. Vor allem, weil ich mich immer so ungeschickt mit Gepäck anstellte. Und wenn ich dann noch nervös war, konnte das ja nur schief gehen.

Ich schrieb ihr mehrmals, wie nervös ich war. Aber sie betonte nur nochmals, wie nett er war und dass das eine gute und schnelle Möglichkeit war, ihn kennenzulernen. Nun gut. Sie hatte ja nicht unrecht. Andernfalls hätte es ca. 14 Tage gedauert, bis ich ihn hätte treffen können. Obwohl er bestimmt auch zu mir gefahren wäre, aber allein die Vorstellung, dass er extra so lange fährt und dann merkt man es passt nicht, ist mehr als unangenehm und schrecklich. Daher ist es schon besser so.

Ein getimtes 2-Stunden-Date am Hauptbahnhof. Romantisch. Oder auch nicht. Wer weiß. Ich war schrecklich nervös. Ich hasste erste Dates. Was, wenn man sich nicht versteht? Und dann sitzen wir da….und gucken auf die Uhr, bis endlich mein Zug fährt.  Der Zug sollte um 15.09 Uhr ankommen. Der nächste Zug in Richtung nach Hause fuhr um 17:04 Uhr ab.

Ich war nicht perfekt geschminkt, nicht perfekt gekleidet und hatte mir mit Mühe und Not meine Haare einigermaßen mit etwas geglättet, was eigentlich ein Glätteisen sein soll, aber meiner Meinung nach nicht als solches verkauft werden dürfte. Die Kontaktlinsen taten weh und ich hatte Angst, ihn nicht zu erkennen am Bahnsteig. Das wäre mehr als peinlich gewesen. Ich kannte zwar 2-3 Fotos, aber auch diese sahen irgendwie unterschiedlich aus. Die 20-Minütige Zugfahrt war der Horror. Ich rutschte auf meinem Platz hin und her, schaute ständig aufs Handy, ob die Haare hielten und hoffte, ich stellte mich nicht allzu dämlich an mit dem Koffer beim Aussteigen.

Der Zug fuhr in den Bahnhof ein. Es war 15.09 Uhr. Die DB war ausnahmsweise mal pünktlich. Ich stand schon längst an der Tür und konnte kaum still stehen. Mein Herz klopfte unfassbar schnell. Ich stieg aus dem Zug aus und schaute mich um. Ich sah ihn nicht. Ein paar Schritte weiter allerdings entdeckte ich ihn auf der anderen Seite vom Gleis – ich hatte ihm die falsche Gleisnummer gesagt. Er sah gut aus. Anders als ich es erwartet hatte. Er trug eine graue Jeans und wie angekündigt einen anthrazit-farbenen Pullover und eine Brille, die ihm erstaunlich gut stand. Ich mag eigentlich keine Brillenträger, was vermutlich daran liegt, dann ich sie an mir selbst ebenfalls nicht mag. Umso verwunderter war ich, dass es mich an ihm nicht störte. Ich ging auf ihn zu und auch er erkannte mich. In dem Moment als wir aufeinander zu gingen, spürte ich sofort, dass es gefunkt hat. Zumindest bei mir. Wir lächelten uns schüchtern an, er stellte sich vor, was mich sehr zum grinsen brachte, denn ich wusste doch wie er heißt. Wir umarmten uns zögerlich. Ganz Gentleman-Like bot er mir an, meinen Koffer zu nehmen, was ich verneinte. Wir waren beide ziemlich nervös, als wir die Rolltreppe runterfuhren. Und natürlich stellte ich mich ziemlich dämlich an mit dem Koffer, aber ich glaub er fand das ganz süß, weil er mich anlächelte. Oh Gott, dieses Lächeln, … mein Herz klopfte ziemlich schnell.

Wir brachten dann meinen Koffer zu seinem Auto, damit ich den nicht die ganze Zeit mitschleppen musste. Er fragte ob das okay wäre, schließlich kenne ich ihn ja nicht und ob ich es komisch finden würde, mein Gepäck im Auto eines Fremden zu verstauen. Nervös wie ich war sagte ich dann nur das wäre okay, aber ich hätte keine Unterwäsche mehr, wenn ich ihn nicht zurück bekäme. Toll Sabrina. Erzähl nem fremden Kerl nach 5 Minuten von deiner Unterwäsche. Ich war froh, dass er nicht drauf einging und versuchte den peinlichen Moment zu vergessen, als wir dann Richtung Bäcker gingen, um uns Kaffee zu holen…

Eine sehr positive Eigenschaft von ihm. Er liebte Kaffee genauso wie ich. Sogar noch mehr. Ich fand bisher nichts an ihm auszusetzen. Wir liefen nebeneinander her und schwiegen ein wenig. Ich glaube, wir waren beide total nervös.

Wir setzten uns draußen vor dem Bäcker mit unseren To-Go-Bechern auf eine Bank. Wir sprachen über alles Mögliche, über unsere Lebensläufe, unsere Interessen, über mein Studium, über Philosophie. Wir stellten schnell fest, dass wir auf einer Wellenlänge waren und viele Gemeinsamkeiten hatten. Ich war die ganze Zeit ziemlich nervös, aber es fiel mir nicht schwer ich selbst zu sein bei ihm. Er gab mir ein gutes Gefühl. Und er gefiel mir verdammt gut. Ich war auch sehr froh, mich an dem Kaffeebecher festklammern zu können, das gab mir ein wenig Sicherheit. Auch dass wir uns nicht so steif gegenüber saßen, sondern nebeneinander, lockerte alles etwas auf. Jedes Mal wenn wir uns anschauten und uns anlächelten kribbelte es in mir. Er hatte es mir wirklich angetan.

Im Laufe des Dates merkte ich, wie wir auf einmal immer näher zusammen saßen. Wir sind wohl beide näher aneinander gerückt in der Zwischenzeit. Ich hatte das gar nicht gemerkt. Die Bahnhofsuhr war in meinem Blickwinkel. Es war bald Zeit, zum Gleis aufzubrechen. Auch er hatte die Uhr im Blick und fragte, ob wir so langsam mal meinen Koffer holen sollten.

Wir brachen also auf Richtung Auto und ich merkte, dass er deutlich nervöser wurde. Ich wusste allerdings nicht warum. Er lief sehr nah neben mir, nahm aber nicht meine Hand, sondern streifte nur ab und an meinen Arm.

Bei seinem Auto angekommen hob er meinen Koffer aus dem Auto und bot nochmals an, ihn zu nehmen. Ich verneinte wieder, was er anscheinend sehr amüsant fand. Wir liefen wieder Richtung Bahnhof und irgendwie kam das Gesprächsthema auf das kommende Osterwochenende. Ich erwähnte, dass ich eigentlich gerne wegfahren würde, aber niemanden hätte, der mitgekommen wäre. „Ich hab noch nichts vor.“, sagte er dann auf einmal. Ich war mir nicht sicher, ob er das ernst meinte, schließlich kannten wir uns doch kaum. Aber ich spielte mit und wir planten irgendwie im Spaß und halbernst, zusammen nach Berlin zu fahren. Ein Teil von mir wäre gerne so spontan und verrückt gewesen. Aber das zweite Date zusammen 3 Tage in einem Hotelzimmer in Berlin? Nein. Zu riskant.

Wir kamen an den Treppen Richtung meines Zuggleises an. Er schaute mich erwartungsvoll an, ich grinste und fragte ihn, ob er so lieb wäre, mir meinen Koffer hochzutragen. Natürlich tat er das. Wir hatten noch knapp 10 Minuten bis mein Zug abfuhr. Wir standen etwas verhalten neben meinem Koffer am Bahnsteig. Er schaute mir in die Augen und ich wurde nervös. Ich hatte das Gefühl, er wollte mich gerne küssen. Er rückte näher zu mir. Aber wie aus Reflex, versuchte ich wieder etwas Abstand zwischen uns zu bringen, was mir irgendwie nicht richtig gelang, denn er war immer noch sehr nah an mir dran. Ich hätte ihn gerne geküsst. Aber die Umstände waren nicht berauschend. Mein Zug fuhr gleich ab, um uns herum waren überall hektische Menschen. Nein, das war nicht der richtige Moment. Das schien er auch zu merken, denn er versuchte es nicht.

Er fragte stattdessen, ob ich ihn wiedersehen möchte, was ich mit einem strahlenden Lächeln bejahte. Er wollte mich wiedersehen. Ich war unfassbar glücklich in diesem Moment. Auch er lächelte mich an. Wie gerne hätte ich ihn in diesem Augenblick geküsst… Er umarmte mich und wünschte mir eine gute Zugfahrt. Ich stieg ein und er nahm die Treppe nach unten. Ich sah noch, wie er sein Handy in der Hand hatte und wünschte mir, er würde mir schreiben. Aber das tat er nicht. Er schrieb nicht mir. Aber das ist eine andere Geschichte…

2 Kommentare zu „Datingkolumne #2

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