Friendstalk: Der Traummann. Teil 3.

Friendstalk

Das nächste Kaffee-Date stand an. Ich hoffte inständig, dass sich die Sache mit ihrem Italiener endlich gegessen hatte. Mir war klar, dass sie noch an ihm hing. Ihre Facebook-Posts waren eindeutig. Aber es wurde definitiv Zeit, dass sie ihn vergisst.

„Vor ein paar Tagen schrieb er, dass er es vermisst, mit mir zu schreiben.“ Sie startete direkt in das Gespräch und machte meine Befürchtungen wahr. 

Der Typ hatte sie doch nicht mehr alle. Ich wurde richtig sauer. „Also entweder, ihm ist das Risiko zu hoch, oder eben nicht. Aber doch nicht so ein scheiß! Er kann dir nicht schon wieder Hoffnungen machen!“ Die Kellnerin schaute mich etwas erstaunt an. Ich versuchte mich zu beruhigen, wir bestellten unsere Latte Macchiatos und dieses Mal keinen Schokoladenkuchen. Ihr ging es damit wohl besser.

„Ich weiß.“, setze sie fort, als die Kellnerin wieder weg war. „Ich schrieb dann, dass ich nicht irgendein Zeitvertreib sein wolle… Darauf kam dann nur ein komischer, nicht verständlicher Smilie.“ Sie schaute schuldbewusst.

„Du hast doch dann nichts mehr geschrieben, oder?“, bohrte ich nach. Ich kannte die Antwort bereits.

„Doch…ein paar Tage später. Das war nach dem Date mit J. Ich fragte ihn, wie man es schafft, Abfuhren zu verteilen, ohne gemein zu sein. Ich hatte wirklich keine Hintergedanken, ich wollte nur von einem Mann wissen, wie ich es am angenehmsten verpacke…“

„Mein Ratschlag hat dir offenbar nicht gereicht..“, merkte ich etwas trotzig an.

„Du weißt, dass ich nicht so radikal und unfreundlich sein kann wie du. Jedenfalls hat er mir auch nicht wirklich geholfen…aber er hat sich Mühe gegeben und brav geantwortet und zugehört. Und alles was er schrieb, hat er nicht gemacht bei mir….“

„Toll. Jetzt machst du dir wieder Hoffnungen“. Ich verdrehte die Augen.

„Naja, ich sagte dann irgendwann im Gespräch, dass es auch kaum noch Männer geben würde, die gut küssen können…“

Sie hatte aber auch wirklich Pech in der letzten Zeit. Ich wusste, wie sehr sie sich nach einem richtigen und guten Kuss sehnte. Da verkörperte der Italiener natürlich ihr Idealbild… Trotzdem war ich etwas sauer, dass sie wieder mit ihm flirtete. Ich schluckte die Wut runter, denn die Kellnerin kam mit unseren Getränken und ich wollte sie nicht wieder erschrecken.

„Ich hatte gehofft, dass er drauf einging. Aber nicht SO. Erst hat er den perfekten Kuss beschrieben und dann kam: „Wenn ich dich küssen würde, würdest du Sterne sehen. Wir Italiener haben das Küssen schließlich erfunden!“ Mit Kuss-Smilie und Herzchen. Ich war vollkommen perplex. Dass er es direkt so personalisiert, hatte ich absolut nicht erwartet. Du glaubst gar nicht, was in diesem Moment in mir vorging.“ Ich sah es ihr an. Sogar jetzt noch grinste sie über beide Wangen und wurde leicht rot. Ihren Herzschlag konnte ich bis auf die andere Seite des Tisches hören.

„Perfekte Antwort für dich.“, lachte ich nur und nippte an meinem Latte Macchiato.

„Ich forderte ihn dann heraus, und schrieb, er wolle mich ja nicht küssen. Darauf sagte er „Wer weiß ob du es willst. Und nur weil ich es gut kann, heißt das noch lange nicht, dass ich jede Frau küssen darf.“ Darauf bin ich dann nicht richtig eingegangen…ich wollte ihm ja nicht auf die Nase binden, dass ich sofort einwilligen würde.“

Sie wäre wahrscheinlich sofort zu ihm gefahren und ihm in die Arme gesprungen. „Und weiter?“

„Naja…wir flirteten noch ein wenig. Und irgendwann schrieb ich, dass seine Chancen nicht allzu schlecht stünden, mich eventuell mal küssen zu dürfen. Darauf flirtete er nur weiter….gab aber keine klare Aussage. Bis es mir irgendwann zu doof wurde und ich ihn fragte, wieso er überhaupt noch mit mir schreibt, wenn er ja kein Interesse hat.“

„Berechtigte Frage.“ Ich war fast ein bisschen stolz auf sie.

„Seine Antwort war nur, ob denn immer irgendwas laufen müsse. Natürlich nicht, aber wenn nur einseitiges Interesse besteht, dann ist das blöd so und dann müssten wir aufhören zu schreiben. Er meinte, wenn es das ist, was ich will, müsse er es akzeptieren…“

„Hat er?“

„Nach meinem: „Das ist nicht das was ich will“ kam nichts mehr… also ja, er scheint es akzeptiert zu haben.“

„Hmm…möglicherweise ändert er seine Meinung noch? Gar kein Interesse scheint er ja nicht zu haben, sonst würde er dir nicht immer wieder schreiben.“ Ich war verwirrt. Wollte er sie warm halten? Oder war er sich selbst nicht ganz sicher, was er wollte? So oder so, für sie würde es nicht gut ausgehen.

„Das dachte ich auch. Mir fehlt es auch mit ihm zu schreiben. Aber ich kenne mich….ich verliebe mich dann nur…“

„Hast du das nicht schon?“, fragte ich vorsichtig nach.

Sie überlegte kurz. „Nicht richtig. Ich denke, ich habe mich vielleicht in die Idealvorstellung von ihm verliebt. Aber nicht in ihn. Dafür kenne ich ihn auch zu wenig. Er hat das verkörpert, wonach ich suche. Stärke. Männlichkeit. Ehrgeiz. Wille. Motivation. “

„Du warst schon ganz schön am schwärmen von ihm. Wie lange ging das jetzt?“

„Kennengelernt habe ich ihn vor 5 Wochen genau. Aber dazwischen war auch viel Funkstille…“

„Aber auch viele Herzchen…“ Die sah ich auch jetzt noch in ihren Augen.

„Wenn es sein soll, dann wird er auch wieder schreiben. Und wenn nicht, dann halt nicht.“

Erwachsene Einstellung. Untypisch für sie. Aber andererseits auch wieder unendlich romantisch.


In der Reihe „Friendstalk“ geht es um klassische Gespräche zwischen zwei Freundinnen. Mal vollkommen frei erfunden, mal angelehnt an wahre Ereignisse, mal haben sie 1:1 stattgefunden. 

Teil 1 findet ihr übrigens hier. Teil 2 hier.

Ein Kommentar zu „Friendstalk: Der Traummann. Teil 3.

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