Die Wahrheitspflicht einem selbst gegenüber

Irgendwann kommt in jeder Beziehung der Punkt, an dem es Zeit ist, ehrlich zu sich selbst zu sein. Ich spreche hier generell von Beziehungen – zwischen Freunden, Familienmitgliedern oder auch Liebespaaren. Irgendwann kommt der Punkt, wo man diese Beziehung definieren muss. Und dabei ehrlich zu sich selbst zu sein und auch zum anderen, ist verdammt hart. Ich persönlich denke, es gibt nichts schwereres. 

Wenn es zu viel ist

Nicht jede Beziehung tut einem gut. Jeder kennt diese eine Freundschaft, in der ihr selbst immer mehr gebt, als ihr zurück bekommt. Ihr tut alles für sie, seid immer erreichbar, fahrt zu ihm/ihr und seid für die Person da. Aber wenn es euch mal mies geht, steht ihr alleine da. Dann ist besagte Person zu beschäftigt, sich eure Probleme anzuhören.

Solche Beziehungen gibt es natürlich nicht nur unter Freunden. Auch bei Liebespaaren ist das häufig der Fall. Am schlimmsten sind allerdings solche Beziehung innerhalb der Familie. Sollte ich eine Rangfolge erstellen, wo es am schwersten ist, sich zu lösen, würde ich die Liebesbeziehung auf den 3. Platz setzen, Freundschaften auf den 2. und die Familie auf den 1. Platz.

Liebesbeziehungen zu beenden ist einfach

Okay, die Überschrift ist hart ausgedrückt. Aber wenn man den Kernpunkt meiner Aussage dieses Artikels betrachtet, ist dies die einfachste Trennung. Es dauert meist länger, bis man sich selbst eingesteht, dass es im Grunde vorbei ist. Tief im Inneren wisst ihr es. Aber bis der Mut aufgebracht wird, diese meist langjährige Beziehung zu beenden, dauert.

Aber sehen wir uns mal das Danach an: Ihr seid frei. Gemeinsame Freunde teilen sich auf. Das Lieblingscafé muss vielleicht einem Neuen weichen, aber bei der Flut an tollen Cafés in den letzten Jahren kommt ihr auch damit zurecht. Vielleicht weint ihr um die Schwester eures Freundes, weil ihr euch so gut verstanden habt und für einen klaren Schnitt ihr den Kontakt abbrechen müsst. Aber wollt ihr ewig durch sie an euren Ex-Freund erinnert werden? Nicht wirklicht.

Es dauert vielleicht ein wenig, aber in 1-2 Jahren (oder früher) ist diese Beziehung Vergangenheit. Es bleiben Erinnerungen, Fotos, vielleicht gemeinsame Bekannte und eine (hoffentlich) schöne Zeit. Ihr lernt aus euren Fehlern und es gibt einen neuen Mann in eurem Leben. Einen besseren. Dadurch auch neue Bekanntschaften, das neue Lieblingscafé eures ersten Dates, vielleicht einen netten Schwager und eine neue Schwiegerfamilie. Ihr kommt drüber weg.

Die Trennung von einer Freundin

Eine harte Angelegenheit. Und meiner Meinung nach schwerer, als die Trennung von eurem Partner. Logistisch läuft dies vielleicht einfacher ab, weil ihr nicht zusammen wohnt. Und auch nicht jedes Ende einer Freundschaft tut weh. Und in vielen Fällen steht diese Trennung nicht an zweiter Stelle, sondern an dritter. Aber ich spreche von dem Beenden einer langjährigen, engen Freundschaft. Ihr habt viel durchgemacht zusammen. Aber irgendwann habt ihr euch entfremdet. Ihr ward nicht mehr ihre Number One. Sie war nicht mehr eure erste Anlaufstation. Und irgendwann kommt der Punkt, da seid ihr besser dran ohne sie. Manchmal muss man eine Freundschaft auch beenden.

Oberflächlichkeit, Egoismus und Ausnutzung sind häufige Anzeichen und Gründe, dies endlich zu tun.

Foto: geralt via Pixabay

Familienbande entfernen

Die härteste Trennung ist meiner Meinung nach die von einem Familienmitglied. Hierbei muss es sich nicht unbedingt um einen endgültigen Schlussstrich handeln. Es reicht meist die Erkenntnis, dass das Verhältnis einfach nicht so ist, wie man dachte, oder wie es mal war. Hier kommt die oben angesprochene Wahrheitspflicht zum Tragen: Ihr müsst in diesem Falle ehrlich zu euch selbst sein. Sonst frisst es euch innerlich auf.

Falsche Erwartungen, Enttäuschungen, zu viel Eigeninitiative, daraus entstehende Verletzungen. „Mit der Familie kann man nicht brechen!“ – Doch, kann man! Und manchmal muss man auch genau das tun. Es mag schwierig sein, ja. Es wirft viele Fragen auf, ja. Aber wichtig ist, dass IHR glücklich seid.

Brecht ihr beispielsweise mit der Schwester, ist dies eine unangenehme Situation. Bei Familientreffen seht ihr euch. Die Eltern können eure Entscheidung vielleicht nicht nachvollziehen, ihr erntet Vorwürfe und werdet vielleicht ausgegrenzt. Dessen solltet ihr euch bewusst sein. Aber wenn ihr die restlichen 364 Tage im Jahr dadurch freier und glücklicher seid, dann kämpft euch halt da durch!

Härte mit Samthandschuhen?

Alternativ hilft auch einfach die klassische Distanz. Entfernt euch emotional von der Person. Geht nicht jedes Mal ans Telefon, führt keinen Smalltalk, erzählt nicht so viel aus eurem Leben. Wie oft war es der Fall, dass ihr genau das bereut habt? Ihr erzählt etwas aus eurem Leben und bekommt nicht die Reaktion, die ihr erwartet habt. Desinteresse. Ignoranz. Egoismus. Und dennoch macht ihr das gleiche beim nächsten Telefonat wieder. Tut euch das gut? Wenn nicht, dann solltet ihr ernsthaft überlegen, ob diese Beziehung es wert ist, aufrecht gehalten zu werden. Manchmal ist Härte genau das, was einen auf lange Frist gesehen, glücklicher macht. 

Ich persönlich finde Härte sehr wichtig, da die andere Person es euch sonst zu schwer macht. Kommuniziert eure Entscheidung und zieht diese durch. Warum? Weil ihr sonst falsche Signale sendet. Und das macht der Person falsche Hoffnungen. Was wiederum sehr unfair für die andere Person ist.

Ich vergleiche dies gerne mit Liebesbeziehungen. Stellt euch vor, ihr seid verknallt in jemanden. Sagen wir Person X. Dieser jemand sagt euch aber, er möchte nur oberflächlich befreundet sein. Ihr willigt ein, weil dies das einzige zu sein scheint, was ihr gerade von ihm/ihr bekommt. Jetzt mal ehrlich: Hofft ihr zu dem Zeitpunkt, dass Person X sich besinnt und merkt, ihr seid ganz toll und sich eventuell verliebt? Ja, oder? Und dann fangt ihr an, in alles etwas hineinzuinterpretieren. Person X hat Mitleid und mag euch ja doch ganz gerne, daher antwortet Person X fast immer und nimmt eure Anrufe entgegen. Wie sieht es jetzt mir eurer Hoffnung aus? Gut, nicht wahr? Und eure Gefühle? Die bleiben wohl. Jetzt verhält sich Person X allerdings folgendermaßen: Kühl, antwortet nur sporadisch, ruft nicht zurück, reagiert auch mal patzig und macht euch so recht deutlich, da ist für euch nichts zu holen. Was passiert nun mit eurer Hoffnung?

Ich hoffe, ich hab das Beispiel gut erklären können. Ich war selbst das ein oder andere Mal Person X, als auch die Person, die von Person X nicht gut behandelt wurde. Ich habe mir immer einen klaren Cut gewünscht, statt immer wieder Hoffnungen gemacht zu bekommen. Das ist einfach nicht fair. Und wenn ihr ehrlich zu euch selbst seid, dann wollt ihr doch auch nicht so behandelt werden, oder?

Einknicken ist kein Weltuntergang

Auch ich knicke hin und wieder ein. Bei der einen Freundin zum Beispiel. Aber es dauert meist nur wenige Tage oder Wochen, da bereue ich es zutiefst. Das geht auch leider nie ganz ohne Schmerz einher. Aber irgendwann lerne ich aus den Lektionen und knicke nicht mehr ein. Hoffentlich.

Wichtig ist nur, es besser machen zu wollen. So, dass es einem selbst gut geht. Aber man auch der anderen Person nicht noch zusätzlich schadet. Ein schweres Handling, ich weiß. Aber zuallererst steht IHR an erster Stelle!

Mich interessiert sehr wie ihr das seht. Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Erzählt es mir! 🖤

 

Titelbild: Alexas_Fotos via Pixabay

Ein Kommentar zu „Die Wahrheitspflicht einem selbst gegenüber

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