„Und tschüss!“ – Mit einem Klick zum Kontaktabbruch

Es ist beachtlich, wie schnell man Menschen heutzutage aus seinem Leben streichen kann. Zwei Klicks bei Facebook, einer bei WhatsApp, ein Klick bei Instagram – und weg ist die Person. Sogar die Handynummer auf dem Smartphone kann man blockieren. In der heutigen Zeit schreibt dann keiner mehr einen Brief oder steht einfach vor der Tür. Es wird akzeptiert und geduldet.

Ich habe das schon mit mehreren Menschen gemacht, und ab diesem Zeitpunkt nie wieder etwas von ihnen gehört. Es ist erstaunlich: Liegt an daran, dass wir Menschen faul geworden sind, einfallslos, oder sind wir es der Person einfach nicht wert?

Früher war alles besser

Den Satz kennen wir ja alle von unseren Eltern. Aber mal ehrlich: Ein wenig ist da auch dran. Wir kommunizieren viel über Soziale Medien. WhatsApp, statt Telefon. Facebook-Markierungen statt einer Essens-Einladung. Instagram-Kommentare statt persönliche Worte. Ein schnelles „Happy Birthday“ per Nachricht, statt einer Karte. Während einem Treffen liegt das Handy auf dem Tisch. Man spricht über Probleme, während das Gegenüber sich durch den Instagram-Feed scrollt. Vor dem Essen muss erst ein Foto gemacht werden. Der Cocktail wird nicht angerührt, bis das perfekte „Wir haben so einen Spaß-Selfie“ geschossen ist.

Früher hat man das Telefon in die Hand genommen und stundenlang mit der besten Freundin telefoniert. Früher hat man sich getroffen, ohne Ablenkungen. Früher bekam man Geburtstagskarten. Früher gab es noch echte Freundschaften, die auch ohne Instagram, Facebook und WhatsApp funktionierten.

Ein Klick und weg!

Es ist schon ein wenig befremdlich, wie schnell sich Menschen aus dem Leben streichen lassen, oder nicht? Mein Ex-Freund zum Beispiel: Ich habe ihn innerhalb von 2 Minuten überall blockiert und nie wieder etwas gehört. Scheint ihm also auch nicht viel ausgemacht zu haben. Meine Adresse konnte ich ja nicht ändern. Auch meine Handynummer kannte er und hätte über einen Kumpel versuchen können, mich zu erreichen. Kein Brief, keine Karte. Okay, blödes Beispiel, denn darüber war ich sehr froh. Aber ich wollte ihn ja auch aus meinem Leben streichen. Aber er mich nicht. Dennoch lies er es zu, obwohl es Möglichkeiten gab.

Ich war auch einmal diejenige, die „gestrichen“ wurde. Aus meiner Sicht kann ich sagen, ich wusste nicht, weshalb. Aber ich war sauer darüber. Und habe nicht jede Möglichkeit genutzt, den Kontakt wiederherzustellen. Anfangs wollte ich ihr Freiraum geben. Als ich nach 6 Monaten immer noch blockiert war, ging ich alles nochmal im Kopf durch. Ich wusste einfach nicht, weshalb sie mich aus ihrem Leben gestrichen hatte. Es musste schlimm gewesen sein. Es gab zwar einen Vorfall, aber den nahm ich anders wahr als sie.

Ich traute mich schlichtweg einfach nicht, mich bei ihr zu melden. Natürlich hatte ich Ideen, wie. Aber ich hatte Angst. Und wusste nicht, was ich sagen sollte. Also lies ich es. Das war im Januar 2014. Und ich vermisse sie.

Feige oder konsequent?

Zugegeben, es hat etwas feiges, jemanden einfach zu blockieren. Ohne Erklärungen, ohne versuchte Aussprache, ohne Ankündigung. Andererseits ist diese Maßnahme auch sehr konsequent. Ich denke, es ist von beidem etwas. Es gehört auch eine gewisse Courage dazu, das Ganze so durchzuziehen. Zumindest, wenn man dies länger als nur ein paar Wochen schafft. Dann war man nur sauer und ist einem Konflikt aus dem Weg gegangen. Wer dies aber schafft, durchzuziehen, ist konsequent.

Manchmal schadet es einem selbst auch mehr, es weiter zu versuchen, statt einfach die Reißleine zu ziehen. Oftmals entsteht so etwas während eines Streits. Gepaart mit Beleidigungen, verletzenden Worten oder Häme kann es sehr aufreibend sein. Natürlich kann einem in einem Streitgespräch mal etwas rausrutschen, was man vielleicht nicht so gemeint hat. Aber häufen sich Beleidigungen oder absichtliche verletzende Worte, dann muss man manchmal auch einfach die Reißleine ziehen. Vor allem wenn es noch Unwahrheiten dazu sind. Die Wahrheit kann verletzend sein, ja. Aber schlimmer als das, sind Unwahrheiten, die einen selbst oder andere Leute im Umfeld beleidigen oder verletzen.

Bild: Zorro4 via Pixabay

Wenn einem etwas wichtig ist, dann kämpft man!

Ich bin da sehr altmodisch. Wenn man demjenigen etwas bedeutet, dann kämpft dieser jemand auch um die Beziehung. Sei es eine Freundschaft oder eine Liebesbeziehung – wer will, kämpft. Aus Sicht der Person, die gestrichen hat kann ich allerdings sagen, dass ich ein Kämpfen der Personen nie gewollt hätte. Es war richtig so. Ich hatte meine Gründe, stehe dazu und hoffe, nicht einzuknicken.

Dennoch ein Appell an alle da draußen, die unglücklich mit dem Kontaktabbruch sind: Tut etwas dagegen. Ihr werdet euch sonst noch ewig in den Hintern beißen dafür.

Und falls das jemand von denen liest, die ich blockiert hab: Spart euch die Mühe.

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