Backup-Partner: Zwischen Idealisierung und Lüge

Backup-Partner

Vor wenigen Tag las ich einen Artikel, bei dem es um sogenannte „Backup-Partner“ ging. Genauer gesagt, um einen Menschen, mit dem es aufgrund von Timing oder den jeweiligen Lebensumständen nie geklappt hat – aber an dem man trotzdem festhält. Hat wirklich jeder Mensch so einen Backup-Partner? Und wenn ja, wie gesund ist das für die aktuelle Beziehung?

„Kriegen die richtigen Menschen mit dem falschen Timing jemals eine zweite Chance?“

Die Sache mit dem Timing

Hand aufs Herz: Wie viele potentielle Beziehungen sind bei euch schon aufgrund des Timings gescheitert? Ich wette mindestens eine. Bei mir waren es sogar mehrere. Er war in einer Beziehung, ich war in einer Beziehung, er musste beruflich wegziehen oder wir waren beide nicht bereit, etwas ernstes miteinander zu beginnen. Es gibt und gab viele Gründe, dass es nicht funktionierte. Im Laufe meines Lebens hatte ich mehrere Backup-Partner, bei denen ich mich immer wieder fragte: Was wäre aus uns geworden, wenn das Timing gestimmt hätte? Wären wir jetzt noch glücklich? Oder hätten wir gar nicht zusammen gepasst? Solange man sich diese Fragen bei einem bestimmten Menschen noch stellt, spukt er immer wieder im Kopf herum.

Bei diesem einen Menschen gibt man nie ganz die Hoffnung auf, dass es vielleicht doch irgendwann noch klappen könnte. Bei manchen ist es der Ex-Partner, bei anderen der eine Kollege, der unerreichbar ist, bei manch anderen ist es ein Kindheitsfreund oder die Jugendliebe. Aber Fakt ist: Fast jeder hat einen.

Was einen Backup-Partner ausmacht

Seien wir mal ehrlich: Das schönste an diesem Backup-Partner ist doch die selbst erfundene Realität. Wir basteln uns in unseren hübschen Köpfchen eine Beziehung zu einem Menschen, die nicht real ist. Wir malen uns Szenen aus, wie es sein könnte oder sein würde, wenn wir zusammen wären. WENN. Aber wie realistisch ist das Ganze überhaupt? Spielen wir das Szenario durch. Wir kommen mit ihm wirklich endlich zusammen. Und dann? Dann ist es eine ernsthafte Beziehung. Und ernsthafte Beziehungen gehen meistens nicht gut aus. Der Partner wird niemals so sein, wie wir ihn uns jahrelang idealisiert haben. Wir haben uns etwas im Kopf zusammen gesponnen, eine Idealvorstellung dieses Menschen. Theoretisch kann er nur alles falsch machen dann innerhalb der Beziehung. Er kann und wird niemals so sein, wie wir ihn uns vorgestellt haben. De facto wäre eine Beziehung mit unserem Backup-Partner von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Backup-Partner versus aktuelle Beziehung

Läuft es in der aktuellen Beziehung gerade super, denkt keiner mehr an seinen Backup-Partner. Aber fängt es an zu kriseln, wird man unglücklicher mit dem Partner und findet immer mehr an diesem auszusetzen, passiert es: Im Hinterkopf kommt so langsam aber sicher wieder der Gedanke an ihn. Den Backup-Partner. Wie wäre es wohl mit ihm? Würde er mich genauso behandeln? Was er wohl gerade macht? … Wir stellen uns vor, wie es mit ihm wäre. Und natürlich wäre es mit ihm besser, als mit dem aktuellen Partner. Weil es lediglich unsere Vorstellung ist. Wir idealisieren diesen Menschen. So kann er nur besser sein, als der Freund. Damit sabotieren wir aber leider auch gleichzeitig unsere Beziehung. Der Partner kann es uns noch weniger recht machen, denn er ist ja keine Idealvorstellung. So entsteht schnell ein Teufelskreis, der am Ende noch in Lügen oder Untreue endet.

Mein Backup-Partner

Ich erzähle euch jetzt die Geschichte von einem meiner Backup-Partner. Um ehrlich zu sein, von dem Menschen, von dem ich es am meisten bereue, dass es nie funktioniert hat.

Ich lernte B. vor 7 Jahren auf der Arbeit kennen. Wir verstanden uns auf Anhieb gut. Allerdings war ich so gut wie mit einem anderen zusammen. Das hielt uns aber nicht davon ab, uns anzufreunden. Er war enttäuscht, als er mitbekam, dass ich nun in einer Beziehung war. Wir flirteten miteinander. Weniger als vorher, aber dennoch taten wir es. Wir mochten uns. Wir schrieben viel miteinander. Irgendwann fand ich heraus, dass auch er wohl in einer Fernbeziehung war, allerdings sehr unglücklich. Unsere SMSen wurden persönlicher. Intimer. Wir schrieben viel über das „was wäre, wenn…“. Auch ich war sehr unglücklich in meiner Beziehung. Ich schrieb mit ihm, während mein Freund neben mir schlief. Ich war zu jung und naiv, um die Beziehung zu beenden. Ich dachte immer häufiger an B. Wie es wohl mit ihm wäre. Kurze Zeit später war ich wieder Single. Bei B. wusste ich es nicht richtig. Er fragte mich nie nach einem Date. Wir waren auch selten mal alleine. Meist waren andere um uns herum. Bis auf das eine mal. Ich musste ins Lager, um etwas zu holen und brauchte Hilfe. Natürlich hoffte ich, mit ihm allein sein zu können. Hoffte, dass er mich küsste. Aber das tat er nicht. Der Moment war da. Aber er hat sich nicht überwunden. Nach einigen Wochen nahm ich allen Mut zusammen, und fragte ihn nach einem Date. Er vertröstete mich. Aus irgendeinem Grund verlor er sein Interesse. Er flirtete weiter mit mir. Aber weniger. Das war es dann auch. Ich zog in eine andere Stadt und war in einer neuen Beziehung. Ab und an gratulierten wir uns zum Geburtstag. Ich verfolgte immer, was er gerade machte und wo er wohnte. Er zog in meine Nähe. Ich hatte öfter den Gedanken, ihm zu schreiben. Aber ich traute mich nicht. Immer wenn eine Beziehung schlecht lief, dachte ich an B. Wie wäre es wohl gewesen, wenn wir zusammen ausgegangen wären? Hätte es gepasst mit uns? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich auch heute noch manchmal an ihn denke. Ob es da je eine Fortsetzung gibt? Wer weiß. Vielleicht macht aber auch genau das unsere Beziehung aus.

Wie steht ihr zu dem Thema Backup-Partner? Erzählt es mir! 🙂

Ein Kommentar zu „Backup-Partner: Zwischen Idealisierung und Lüge

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