Siebenundzwanzig.

Heute ist es mal wieder soweit: Ich werde ein Jahr älter. Ich bin jetzt 27. Ich gehe steil auf die 30 zu. Und je näher man diesem Alter kommt, desto häufiger kommen einem selbst die Fragen in den Kopf, die man von anderen und von der Gesellschaft gestellt bekommt. Wann heiratest du? Wann kommen die Kinder? Möchtest du überhaupt Kinder? Wann bist du endlich mit dem Studium fertig? Willst du nicht mal was anständiges lernen? Wie willst du so dein Geld verdienen? Wann schaffst du es endlich, eine funktionierende Beziehung zu führen? Und und und.

Der Druck wächst, je älter man wird. Es wird von einem erwartet, auf diese Fragen eine Antwort parat zu haben. Aber viel wichtiger ist doch, ob und wie man diese Fragen für einen selbst beantwortet.

Ich für meinen Teil bin Zwiespalten bei diesen Fragen. Einerseits möchte ich mich nicht dem Druck der Gesellschaft beugen. Mit 30 sollte man eine Familie haben, einen festen Job, genug Rücklagen für ein Haus, das nächste Kind in Planung und natürlich eine stabile Ehe. Nein, Moment. Nur eine Ehe. Stabil muss sie nicht sein. Man kann sich ja scheiden lassen und dann 3 Jahre später mit dem nächsten Mann ein weiteres Kind bekommen. Aber arbeiten soll man auch noch Vollzeit, brav weiter in die Rentenkasse einzahlen und wehe man vernachlässigt die Kinder bei einem Full-Time-Job. So ist es doch heutzutage. Vielleicht sehe ich das alles etwas schwarz-weiß, das mag sein. Aber mir kommt es so vor. Und dessen möchte ich mich nicht beugen. Ich möchte es so machen, wie ich es will. Wann ich will. Mit wem ich will. Egal, was andere erwarten oder erhoffen.

Andererseits ist da etwas dran. Natürlich möchte ich diese Fragen auch für mich selbst beantwortet haben. Aber es hilft nichts, sich selbst Druck zu machen. Es passiert, wie es passieren soll. Ich gebe mein Bestes dafür. Und das sollte auch reichen. Ja, ich bin 27, bin nicht mit dem „Mann fürs Leben“ verheiratet, bin nicht schwanger, es sind keine Kinder in naher Zukunft in Planung, ich gehe zur Uni, schaffe es immer noch nicht, Pflanzen lang genug am Leben zu halten, kämpfe mich immer noch mit Versicherungen herum, frage immer noch meinen Vater, wenn irgendetwas repariert werden muss oder meine Mutter, wenn ich einen Fleck nicht aus meiner Lieblingsjeans rausgewaschen bekomme.

Na und? Aber was hat das schon mit erwachsen sein zu tun? Ich bin in der Lage, Verantwortung zu übernehmen. Ich lerne aus meinen Fehlern. Ich versuche, diese nicht zu wiederholen. Ich wachse. Ich gehe Risiken ein. Ich bin nicht mehr der Mensch, der ich vor einem Jahr an meinem 26. Geburtstag war. Und das ist gut so. Es geht vorwärts, nicht rückwärts. Ich kann mit Geld umgehen, egal wie viel es ist. Ich lerne mich immer besser zu verkaufen und meinen eigenen Wert einzuschätzen. Sowohl in der Arbeitswelt, als auch privat. Ich trenne mich von Menschen, die mir nicht gut tun. Immer leichter und schneller. Ich lasse mich von anderen weniger runterziehen. Ich definiere meinen Selbstwert nicht mehr durch die Meinung anderer. Ich lerne zu vertrauen. Mir und einem anderen Menschen. Ich bin in der Lage, eine bessere und erwachsenere Beziehung zu führen, als früher. Ich bin reifer und klüger, als ich es vor einem Jahr war. Und ich bin vor allem glücklicher, als ich es vor genau einem Jahr war. Und genau das ist es doch, worauf es an kommt. Nicht auf die Anzahl der Babys, den Ehering am Finger oder die Höhe des Geldes auf dem Bankkonto.

4 Kommentare zu „Siebenundzwanzig.

  1. Hallo Sabrina,
    ich kann deine Meinung gut nachvollziehen. Nicht so lange her hatte ich auch meinen 26. Geburtstag und an dem Tag kamen diese schrecklichen Gedanken. Eigentlich bin ich auch im gleichen Zustand, wie du erzählt hast und laufen Uni, Arbeit, Leben alle zusammen. Ich weiß auch, was ich will. Aber trotzdem war ich besonders an dem Tag nicht sicher, ob ich mich selber diese Fragen stelle oder die Gesellschaft mich sie stelle. Natürlich sammelt man jedes Jahr mehr Erfahrung und somit trifft auch bessere Entscheidungen. Aber schon jetzt über solche Themen zu diskutieren finde ich nicht so vernünftig, da man in diesen Jahren möglicherweise viele Fehler machen kann. Ich weiß es nicht. Der Tag war für mich ziemlich schrecklich und ich hoffe, wird mein nächster Geburtstag auch besser sein wird, wie du auch meintest. Danke schön für diesen wertvollen Beitrag.
    Liebe Grüße.
    Yusuf.

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