Das Ende der Zukunft.

Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Wir mögen keine Veränderungen. Wenn wir uns unser Nest gebaut haben und uns einmal wohl darin gefühlt haben, dann bleiben wir dort. Auch, weil es anstrengender und unangenehmer wäre, es zu verlassen. Ob wir darin noch glücklich sind oder nicht, ist uns oftmals egal. Wir nehmen den einfacheren Weg. Den bequemeren Weg. Und sich für die Wahrheit, für das Ungewisse, für das Zerstören des Nestes zu entscheiden ist hart. Verdammt hart. Unangenehm. Selbstzerstörerisch. Aber manchmal einfach nötig.

Wer sich mit Ende 20 von einem langjährigen Partner trennt, tut sich damit nicht leicht. Oftmals trennt man sich von viel mehr, als nur einem Partner. Man hatte gemeinsame Zukunftspläne, eine gemeinsame Wohnung, gemeinsame Freunde, einen gemeinsamen Alltag oder sogar gemeinsame Kinder. Trennungen sind immer scheiße. Aber mit Ende 20 noch mal mehr.

Man verliert nicht nur einen geliebten Menschen, einen Freund und Partner, sondern man verliert auch seine Zukunft. Eine Zukunft, die aus diesem Menschen bestand. Kindern. Reisen. Einem Haus. Tieren. Enkelkindern. Gemeinsamen beruflichen Zielen. Eine Zukunft, die niemals mehr so stattfinden wird. Eine Zukunft, mit der man sich vielleicht schon angefreundet hat. Die man bereits angefangen hat zu konkretisieren. Mit einem gemeinsamen Bankkonto, Investitionen oder Planungen.

Auch wenn diese Entscheidung vielleicht richtig war, tut sie nicht weniger weh. Es ist nicht weniger hart, sie durchzuziehen. Oder kostet nicht weniger Kraft. Aber manchmal muss man Entscheidungen treffen im Leben. Für einen selbst und gegen die gemeinsamen Zukunftspläne. Auf einmal fühlt sich diese Zukunft falsch an. Sie erfüllt einen nicht mehr mit den gleichen Gefühlen, wie früher. Oft kommt solch eine Entscheidung nicht plötzlich. Sie schleicht sich ein. Immer weiter in den Alltag. In die Gedanken. In die Handlungen. Bis es zum großen Knall kommt. Erst in einem selbst, weil man erkennt, dass man einen anderen Weg einschlagen muss, als geplant. Und dann mit dem Partner. Einem geliebten Menschen, dem man sagen muss, dass die gemeinsame Zukunft nichts mehr wert ist. Dass sie zerplatzt. Dass man selbst diese Zukunft mit einer Nadel zum platzen bringt. Das tut weh. Für beide Parteien.

Allein, Allein…

Und plötzlich ist man wieder alleine. Alleine in einem Leben, welches gar nicht mehr deins ist. Ein Leben, welches vorher aus zwei Leuten bestand. Und auf einmal wieder nur dir allein gehört. Alleine essen, alleine schlafen, alleine das Wochenende verplanen. Alleine zu Familienfesten gehen, alleine mit Freunden treffen, alleine einkaufen. Alleine die nächste Reise planen, sich alleine um den Haushalt kümmern, alleine mit schlechten Dingen zurecht kommen. All das muss man wieder lernen. Keiner da, der sich mit einem freut, wenn auf der Arbeit etwas schönes passiert. Keiner da, der einem beim Einkaufstüten tragen hilft. Keiner da, der einen wärmt, wenn es unter der Bettdecke mal wieder zu kalt ist. Es sind oftmals die kleinen Dinge, die man wieder lernen muss, alleine zu tun.

Manch einer versucht sich abzulenken, um bloß nicht alleine zuhause in der immer gleichen Wohnung zu sitzen. Im gleichen Bett zu schlafen, welches man vorher noch mit der Person geteilt hat, mit der man sein ganzes Leben verbringen wollte. Manch einer verkriecht sich aber auch wochen- oder monatelang genau dort. Um sich zu erinnern. Um zu fühlen, was nicht mehr gefühlt werden darf. Weil es aus ist. Manch einer fragt sich, ob es die richtige Entscheidung war. Hinterfragt sein Leben, seine Zukunft. Wie soll es weitergehen?

Am schlimmsten daran, sind die kleinen Erinnerungen. Wenn du beim Einkaufen instinktiv zu seinem Lieblingskäse greifst, dann aber bemerkst, dass du ihn gar nicht mehr kaufen brauchst, weil du ihn selbst nicht isst. Oder wenn du etwas lustig findest und dann merkst, dass es niemand sonst ebenfalls witzig findet, weil es sich um einen Insider mit einer ganz bestimmten Person handelt. Wenn du dich gefreut hast, mal wieder diese eine Schokolade zu essen oder das eine Spiel zu spielen, aber beides nur halb so viel Spaß macht, ohne ihn, weil ihr das immer zusammen gemacht habt. Weil es euer Ding war.

Nach dem Winter kommt der Frühling

Das Wichtigste ist, sich immer vor Augen zu halten, dass es die Richtige Entscheidung war. Wieder zurück in eine Beziehung zu gehen, mit der ihr langfristig gesehen nicht glücklich werdet, hilft keinem von euch. Aus dem Alter ist man mit Ende 20 leider nunmal raus.

Das Lebens als Single ist nicht nur schlecht. Mit der Zeit werdet ihr anfangen, dieses sogar zu genießen. Es kann Spaß machen. Und das wird es. Das verspreche ich euch. Vielleicht nicht sofort, vielleicht erst in ein paar Monaten, vielleicht auch erst in einem Jahr. Aber irgendwann wird es das.

Trennungen sind immer scheiße. Liebeskummer ist eins der schlimmsten Dinge, durch die ein Mensch durch muss. Aber das Ende von etwas ist auch gleichzeitig immer der Anfang von etwas Neuem. Eine neue Chance. Eine Chance, Dinge besser zu machen. Zu wachsen. Mit sich selbst zufriedener zu werden. Sich selbst näher zu kommen und ein besserer Mensch zu werden.

Ihr habt euer eigenes Happy End wieder selbst in der Hand. Macht was draus!

2 Kommentare zu „Das Ende der Zukunft.

  1. Es gibt solche und solche Fälle.
    Es gibt auch Wege, die all diese Erinnerungen und Zukunftspläne doch noch real werden lassen, auch wenn sie für den Moment vorbei zu sein scheinen. Habe ich selbst erlebt. Ich wünsche dir so oder so alles gute :-).

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