Regen

Es regnet. Ich höre die Regentropfen auf die über hundert Schirme prasseln. Auch über mir spüre ich, wie schwere Tropfen verhindert werden, auf mich einzustürzen. Aber es fühlt sich nicht so an. Hagelartige, spitze Tropfen fallen auf mich herunter, landen auf meinem Kopf und rollen mein Gesicht herunter, die Wangen hinab. Schwer, unaufhaltsam. Es fühlt sich nicht an, als würde irgendwas mich davor schützen. Es regnet, und es hört einfach nicht mehr auf. Die hundert Leute um mich herum verschwinden auf einmal. Ich stehe alleine hier im Regen und spüre eine Last auf mir, die mir kein Regenschirm nehmen kann. Tausende Tropfen prasseln auf mich ein und keiner kann mich davor bewahren. Mein Vater steht neben mir, hält den großen schwarzen Regenschirm über uns beide, legt den Arm um mich. Wir schauen beide herunter auf das Grab. Leere, Leere, die keiner uns nehmen kann und vor der uns kein Schutz bewahrt. Wir werden beide etwas nass, weil der Schirm nicht groß genug ist, uns beide zu schützen. Es regnet und tausende Regentropfen fallen auf uns, die anderen hundert Leute und das Grab herunter. Es fühlt sich an, als würden nur wir nass werden. Es hagelt auf uns ein und die Leute stehen nur so da und bekommen es nicht mit. Es ist unser Schmerz. Unsere Hagelkörner. Unser Regen.

Anlässlich des 86. Geburtstages meiner lieben Oma.

Foto: Giuliamar (Pixabay)

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