Angststörung: Mein Umgang mit der Angst während der Corona-Krise

Angststörung

Ich weiß, ich bin sicher nicht die Einzige, die derzeit mit diesem Problem zu kämpfen hat. Deshalb möchte ich hier nun offen über meine Ängste während der Corona-Krise sprechen. In der Hoffnung, anderen, denen es genauso geht, zu helfen. Ihnen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind mit ihrer Angst.

Ich habe Risikopatienten in meinem engsten Familienkreis. Ich bin Freiberufler und mir brechen natürlich wie vielen anderen auch Aufträge weg. Und das wird sich noch weiter ziehen durch das gesamte Jahr. Ich bin in den letzten Zügen meines Bachelor-Studiums, genauer gesagt am Schreiben meiner Bachelor-Arbeit. Und nun sind die Bibliotheken zu, das neue Semester wurde verschoben und es ist offen, wie es nun weitergeht.

Ich bin weniger um meine eigene Gesundheit besorgt, als über die meiner liebsten Menschen. Einer Person ganz besonders. Ich bin verängstigt, wie die Menschen da draußen mit den Vorgaben der Regierung umgehen.

Die Ungewissheit lähmt

Für Menschen mit Angststörungen ist es am schlimmsten, nicht zu wissen wie lange dieser ganze Spuk noch dauert. Fixe vier Wochen? Okay, auszuhalten. Aber Enddatum ungewiss? Was bedeutet das für meine berufliche Situation? Für mein Studium? Für meine Familie?

Wie geht es nun weiter? Kommt die Ausgangssperre? Wie soll ich damit umgehen? Und vor allem, wie lange wird diese dauern?

Ich kann meine Familie und meine Katze nicht besuchen. Dabei wäre sie gerade genau das, was mir helfen würde.

Ständige Angst, was nun als nächstes kommt oder passiert. Ungewissheit löst schnell Panik aus. Panikattacken sind in solch einer Krise für Menschen mit Angststörungen oder generell psychischen Problemen keine Seltenheit.

Corona hier, Corona da

Alles dreht sich nur noch um Corona. Eine Hiobsbotschaft jagt die nächste. Ich finde es wichtig, sich auf dem Laufenden zu halten. Habe aber am Anfang den Fehler gemacht und jede neue Nachricht erhalten. Ich bin beruflich viel auf Facebook unterwegs. Ich habe also alles mitbekommen. Bei jeder neuen ntv-Meldung bimmelte mein Handy.

Die Folge: Schlafstörungen. Immens sogar. Ich wache in jeder Nacht mehrfach auf, habe Probleme einzuschlafen. Ich wache morgens früh auf, aus Angst, irgendetwas zu verpassen. Die nächste schlimme Nachricht. Von den Medien oder meiner Familie. Es wird unerträglich.

Es gibt kaum ein anderes Gesprächsthema mehr unter Freunden oder Bekannten. Neuste Meldungen, Gegenmeldungen, Verschwörungstheorien. Manchmal werden meine Angst und meine Sorgen gar nicht ernst genommen.

Alles Panikmache?

Wer seine Bedenken äußert, wird oft belächelt. „Nicht schlimmer als eine Grippewelle“. Selbst wenn das stimmt: Wären ständig Meldungen von neuen Toten durch Influenza, dann wäre das doch genauso schlimm. Ja, vielleicht wird alles etwas aufgebauscht. Mag sein. Aber Fakt ist doch, es ist eine ernste Situation. Und der kann man sich nicht entziehen. Und genau hier ist der Punkt, welcher so eine Angst auslöst.

Es ist mir oberflächlich betrachtet egal, ob es genauso ist, wie jedes Jahr, es diesmal nur hochgeschaukelt wird, weil es ein neues Virus ist. Ich wurde damit früher aber nicht tagtäglich mehrfach konfrontiert.

Ja, es wird Panik verbreitet. Die kann man Menschen mit Angststörung aber nicht einfach nehmen, indem man sagt: „Ist nur Panikmache, stell dich nicht so an!„.

Hamsterkäufe und Egoismus

Ich würde unheimlich gerne selbst Hamsterkäufe unternehmen. Aber hauptsächlich, weil mich der Gang in den Supermarkt unheimlich stresst. Überall leere Regale, egoistische Menschen, es ist voll, egal zu welcher Uhrzeit. Die leeren Regale machen mir zusätzliche Angst.

Die Bilder von Menschenmengen am Aachener Weiher in Köln, von Menschenmengen hier in Mainz – unverständlich.

Die Menschen tragen so viel Egoismus in sich, das ist verstörend. Es ist wichtig, selbst drei Packungen Toilettenpapier aus der Palette zu nehmen, anstatt anderen, die vielleicht tatsächlich keins mehr zuhause haben, noch wenigstens eine Packung zu lassen.

Der menschliche Egoismus ist verstörend. Wie soll man allein angesichts dieser Tatsache ruhig bleiben?

Mein Umgang mit der Angststörung

Entschleunigung und Achtsamkeit. Ich tue Dinge, die mir gut tun. Versuche mich mit netten Gesprächen abzulenken. Das Meiden von Social Media klappt noch nicht ganz so gut. Ich mache Sport, um den Depressionen kein Futter zu geben. Ich bin produktiv, arbeite alles ab, was möglich ist. Das vermittelt mir ein gutes Gefühl.

Ich gehe raus – aber nicht dahin, wo viele Menschen sind.

Ich vermeide Stress. Alles, was mich triggert und mir derzeit nicht gut tut. Ich erledige Dinge, die ich immer wieder aufgeschoben habe, wie z.B. Fotos sortieren oder auszumisten.

Ich erstelle auch gerade einen Beitrag für euch mit Tipps, was ihr gerade in eurer selbst auferlegten Quarantäne tun könnt. Kommt also bald 🙂

Es ist aber auch wichtig, der Angst Raum zu lassen. Zu weinen, wenn es sich gut anfühlt. Ihr arbeitet nicht gegen die Angst, sondern mit ihr. Sie ist ein Teil von euch. Lasst sie zu, nehmt sie an, aber lasst sie auch wieder los. Sie sollte nicht 24 Stunden wie ein Damoklesschwert über euch kreisen, eure Gedanken einnehmen und den Alltag bestimmen.

Ihr braucht jetzt vor allem weiter schöne Momente. Spaß. Witze. Nette Gespräche. Umarmungen (okay, ich denke das fällt wohl doch eher weg…), Zuneigung, Verständnis.

Ich weiß, dass das leichter gesagt ist, als getan. Aber die Zeit wird auch vorüber gehen. Da müssen wir alle ganz fest dran glauben.


Passt auf euch alle auf und bleibt gesund. 

4 Kommentare zu „Angststörung: Mein Umgang mit der Angst während der Corona-Krise

  1. Tut mir leid, dass es dir schlecht geht! Falls es dich beruhigt: Mir geht es ganz ähnlich. Die letzten Tage waren nicht so schön, heute ist es schon besser. Mein Schlaf ist auch gerade sehr unruhig. Die Corona-Panik ist wie ein Grundrauschen im Hintergrund, von dem man sich nie ganz lösen kann. Ich denke, deshalb steht der ganze Körper die ganze Zeit unter Strom und kommt nicht richtig zu Ruhe.

    Was ich auf jeden Fall unterschreiben kann:

    Ihr braucht jetzt vor allem weiter schöne Momente. Spaß. Witze. Nette Gespräche. Umarmungen (okay, ich denke das fällt wohl doch eher weg…), Zuneigung, Verständnis. ->Ja!!

    Keine negativen Vibes gerade, die sollte man meiner Meinung nach jetzt dringend vermeiden. Ich denke auch, dass es besser wäre, die Nachrichten nicht so oft zu checken und weniger auf Social Media zu sein… Andererseits stresst es mich auch, nicht Bescheid zu wissen. Deshalb schaue ich auch noch regelmäßig rein. Aber: Irgendwann hat der Spuck ein Ende, wir werden das alles gut überstehen.

    Liebe Grüße an dich 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank für deinen lieben Kommentar!
      Das sind die richtigen Worte, die ich brauchte. Danke dafür!
      Es tut so gut zu wissen, dass man nicht alleine ist.
      Ich hoffe dieser Beitrag und auch dein Kommentar, hilft noch weiteren Menschen.

      Alles Liebe für dich 🙂

      Gefällt 1 Person

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